Freitag, 26. Juli 2013

Kinder alternativ beschäftigen - spielzeugfreie Zeit gegen Generation Nesthocker

In dem Kindergarten den unserer Kinder besuchen wird im Moment ein Langzeitprojekt durchgeführt. Es dauert in der aktiven Phase über 3 Monate an. Die Vorbereitungen dazu liefen über ein Jahr und auch die Nacharbeitung wird einiges an Zeit in Anspruch nehmen.

In Absprache mit den Erziehern, den Eltern und auch mit den Kindern selbst, wurde das Projekt

"spielzeugfreie Zeit"


am 30.06. begonnen.

Dass ausnahmslos alle Beteiligten mit der Durchführung einverstanden waren, hatte oberste Priorität, denn in dem Projekt sollen die Kinder eine "Auszeit" von vorgefertigten Strukturen erfahren und Alternativen zu "fertig" gestalteten Spielzeug finden sowie sich vermehrt mit der Natur und ihren Materialien befassen.



Dabei richtet sich das Projekt nicht gegen alles Spielzeug und Spielzeug im Allgemeinen, denn es gibt ganz tolle Spielmöglichkeiten. Vielmehr richtet es sich gegen ein mögliches Überangebot, gegen eine Reizüberflutung, gegen übertriebenes Konsumverhalten sowie eine durchrationalisierte Freizeitgestaltung.

In der Durchführung sieht das Projekt so aus, dass die Spielsachen Urlaub machen, nämlich verpackt in Kisten und Kartons in einem Lager- und Kellerraum. Beim Umzug haben die Kinder ordentlich mit geholfen. Bobbycars, Puppen und Puppenwagen, Puzzle, Spiele, Instrumente, alles wurde von ihnen, den Erziehern und Helfern an den "Urlaubsort" gebracht.

Statt dessen werden nun Alternativen geschaffen. Aus Decken und Seilen werden Höhlen, Zelte und Rückzugsmöglichkeiten selbst erbaut. Zum kneten wird Salzteig hergestellt, Kartenspiele oder Instrumente werden aus alternativen Stoffen gebastelt und gestaltet. Hierzu stehen Wolle, Stoffe, Knöpfe, Korken, Papier, Papphülsen-Rollen und -Kartons, Blätter, Baumfrüchte (getrocknet), Sand, Holz, Stroh/Heu/Gras und alles, was man noch so weiterverarbeiten kann zur Verfügung. Außerdem steht viel Bewegung an der frischen Luft und noch mehr Ausflüge auf dem Programm, als sie ohnehin schon unternommen wurde. So der Besuch einer Schmiede oder einer nahe gelegenen Windkraftanlage, eines Gartenbaubetriebes oder einer Tischlerei, schließlich sollen sie auch erfahren, wo die Dinge herkommen und wie sie entstehen. Nicht zu vergessen sei der Waldtag, der einmal in der Woche durchgeführt wird.

Nun müssen sich die Kinder untereinander ganz anders absprechen. Sie müssen einen Plan festlegen und eigene Regeln aufstellen. Sie müssen jeden Tag aufs Neue abklären, wie sie ihr Spiel gestalten wollen, wie sie ihr Ziel erreichen wollen, wer für welche Aufgaben und Tätigkeiten verantwortlich ist, welche Materialien benötigt werden, wer welche Rollen übernimmt und was passieren soll, wenn sie ihr Ziel erreicht haben. Auch die Erzieher müssen sich neu finden, denn für sie ist das Projekt ebenfalls eine neue Erfahrung. Sie sind Beobachter und Anleiter und dokumentieren in Tagebüchern den Tagesablauf für eine spätere Auswertung des Projektes und natürlich auch für uns Eltern. Durch die ausliegenden Tagebücher und ganz viele Fotos erhalten wir Eltern einen tranzparenten Einblick in das Geschehen. Natürlich bereden wir auch zu Hause das Erlebte, beobachten das Verhalten der Kinder und werten den Tag aus.

Ziel des Projektes ist es, den Entwicklungsspielraum der Kinder zu prägen und zu erweitern und die Kinder in den Lebenskompetenzen zu stärken. Strategieentwicklung, Sprache und Kommunikation sollen gefördert werden, ebenso wie die Bereiche der Kreativität und der Phantasie. Beobachtungsgabe, handwerkliches Geschick, sprachliche Bildung sowie naturwissenschaftliche Bezüge sollen aufgebaut werden, persönliche Bedürfnisse entdeckt bzw. wieder gefunden und letztlich auch eine Immunität gegen eine mögliche "Sucht-Gefahr" aufgebaut werden.
Wie seht Ihr das denn mit dem bestehenden Überangebot, der Gefahr einer Reizüberflutung und dem übertriebenen Verlangen nach "mehr"? Erkennt auch ihr ein gewisses, ich drücke es mal vorsichtig aus mit "Sucht-Potential"?

Ich kann das auf jeden Fall gut nachvollziehen denn auch bei uns gibt es von allem zu viel. Unsere Gegenmaßnahmen bestanden bisher nur darin das Angebot einzudämmen und regelmäßig auszutauschen. Vielleicht sollten wir auch einmal das Kinderzimmer konsequent ausräumen und Alternativen suchen. Sicher wird sich der Wunsch nach einer Playstation oder einem eigenen TV-Gerät im Zimmer nicht aufhalten lassen, sehen und hören es die Kinder ja auch bei ihren Freunden und gerade zur Weihnachtszeit oder zum Geburtstag sind solche Geschenke auch nicht unüblich.

In diesem Jahr soll die neue Playstation erscheinen und sicher wird sie in vielen Haushalten unter dem Weihnachtsbaum liegen. Die Vorbestellungen laufen auf Hochtouren. Wer an Weihnachten 2013 mit der neuen Playstation spielen möchte, sollte die PS4 vorbestellen, bis Weihnachten sind es ja auch nur noch 5 Monate. Gegen einen bedachten Einsatz habe ich auch gar nichts einzuwenden und gerade in der Gruppe macht es ja auch großen Spaß ein wenig zu „zocken“.

Ich finde das Projekt sehr interessant und eine gute Möglichkeit die Kinder jetzt nochmals zu stärken. Ob es wirkt, werden wir erleben!

Kommentare:

  1. Liebe Romy,

    unsere sind zwar noch nicht so weit, aber wir haben auch kaum Spielzeug, bzw. spielen sie lieber mit dem Hund...unser zukünftiger Kindergarten geht immer eine bestimmte Zeit in den Wald, wo die Kids dann auch über mehrere Tage einfach kreativ werden müssen, und auch können. Ich finde solche Projekte sollte es noch mehr geben.

    LG Susanne

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  2. Die spielzeugfreie Zeit gab es in unserer Kita auch immer, für zwei oder drei Monate im Jahr, war eigentlich nicht schlecht. Die Kinder haben mit sehr viel Fantasie gespielt und viele Dinge wie Kartons und so zweckentfremdet.

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  3. Wir haben als Kinder so damals auch gespielt und ich finde es viel besser als heutzutage. So wird man als Kind einfach aufgeschlossener. Wobei ich die Angst habe, das Kinder heutzutage gar nicht mehr den Kopf für so was habe. Wir haben mal zusammen mit meinem Cousin vor Jahren ein Wurfspiel machen wollen, da ging es gleich bei ihm ... ööööhm das ist langweilig, ich will Computer...

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