Mittwoch, 4. Februar 2015

meine Story-Pics Geschichte - ein Werk aus 51 Wortspenden

Sicher könnt Ihr Euch noch an die Bloggeraktion des vergangenen Jahres, dem Story-Pic, erinnern, bei dem die teilnehmenden Blogger jede Woche ein Pic mit einem dazugehörigem Wort spendeten, um nach 52 langen Wochen daraus eine ganz persönliche Geschichte zu erhalten.


40 Teilnehmer fanden sich für die Aktion. Am vergangenen Wochenende dann, durften sich alle über ihre eigenen Geschichten freuen. Eher als gedacht, wurden diese fertig und so gab es, überraschender Weise, einen vorzeitigen Start für das Aussenden.

Aber nicht nur Wörter flossen in einen Sammeltopf. Pro Teilnahme wurde auch ein Spendenbetrag von 0,05 € hinein gelegt und so kam zum Jahresende, also nach 52 Story-Pics-Runden ansehnliche 76,05 € zusammen.

Zusammen kamen auch die Schreiberlinge, 6 Stück an der Zahl, mich inbegriffen. Gemeinsam tauschten wir Ideen und Gedanken aus, sprachen uns Mut zu, wo welcher gebraucht wurde. In unserem Ideenpool ging es wirklich locker, leicht und lustig daher. Dort schaute ich mir als Schreiberling auch die Idee ab, zunächst die Geschichten im Rohbau zu entwerfen und diese dann mit den Wortspenden zu füllen und obwohl ich ein Jahr lang Zeit hatte, wurde es am Ende doch noch einmal so richtig knapp. Zu lang existierten die Inhalte meiner Geschichten nur in meinem Kopf. Ich hatte mir zwar immer wieder Stichpunkte und einzelne Sätze notiert, diese dann auch als Datei auf mein Handy gezogen, um auch unterwegs daran arbeiten zu können, aber ehe man sich versah, war es Herbst und hatte noch nichts vernünftiges zu Papier gebracht. Stichworte und Sätze machen ja noch lange keine Geschichte aus. Für schnelle Ideen und Geistesblitze war mir mein Handy eine große Hilfe. Sprachaufnahmen wurden sofort als Memo dort hinterlegt und so gegen ein Vergessen gesichert. Dennoch, ohne Hilfe der anderen Schreiberlinge hätte ich es nicht geschafft rechtzeitig fertig zu werden und womöglich noch kurz vor knapp aufgegeben, erst recht, als im Dezember dann auch noch eine berufliche Veränderung her musste. Ich dachte wirklich, dass ich auf der Ziellinie abbreche, aber wie es so oft ist, unter Druck funktioniert man am Besten und so nahmen die von  mir zu schreibenden Geschichten, Woche für Woche, mehr an Form und Gestalt an und wurden immer schöner.

Inzwischen hat nun jeder Teilnehmer seine Geschichte bekommen und durfte diese, erst einmal ganz für sich alleine, genießen. Jeder Teilnehmer kann nun über seine Geschichte verfügen und entscheiden, ob diese in die Geschichtensammlung einfließen soll, die dann als E-Book veröffentlicht wird. Darauf bin ich schon mehr als gespannt!

Es war also alles nicht ganz einfach, und doch hat es unwahrscheinlich viel Spaß gemacht und damit ihr einmal sehen könnt, was aus vorgegebenen Wörtern für eine Geschichte entstehen kann, zeige ich Euch das nun an meiner ganz eigenen Geschichte, die eine liebe Schreiberin für mich erstellt hat. Nein, der Name wird noch nicht verraten! Noch sind die Schreiberlinge geheim, denn es sollen erst einmal alle Teilnehmer wenigstens eine Vermutung aussprechen, wen sie als Schreiberling hinter ihrer  Geschichte vermuten. So werde ich mich mit Namen noch zurück halten, aber gegen ein von Herzen kommendes dickes, fettes DANKESCHÖN ist nichts einzuwenden und genau das sende ich Dir jetzt und eine Umarmung hinterher, für die Mühe, die Zeit und die Ideen.


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Nun aber zu meiner Geschichte, für die ich kein Genre vorgegeben habe, lediglich diese Worte:

Morgengrauen, Frühlingsgefühl(e), festhalten, Fußspuren, Handtasche, Salz, Lamellenschrank, Sahne, verwöhnen, Tunnelblick, Erinnerungsstück, durchdrehen, eingleisig, bauen, Lohn, verbunden, Täuschung, Blickwinkel, Zeitabschnitt, Verschnaufpause, fürsorglich, Bedeutung, Vegetarier, Spaß, Muskeln, Wolken, Waage, Fahrkartenverkäufer, Feuerwehr, Aufenthaltsraum, Zeitnot, (falsche) Schlange, Waschküche, Rauchmelder, Schönheit, Feuerwerk, Funke, Notruf, warten, Koffer, Schutzanzug, Schreck, Luft, bärenstark, Verletzung/verletzt, Ritual, Nachricht, Stimmung, Lichterglanz, Feiertag(e), rutschen


Nicht ohne meinen Koffer!
Der ganze Ort war auf den Beinen, und Romy mittendrin! Endlich waren die Feiertage des großen Stadtfestes gekommen, bei dem natürlich auch die freiwillige Feuerwehr, bei der Romy und ihre Familie Mitglieder waren, kräftig mitmischte. Es gab viel zu tun. Deshalb stand Romy schon im Morgengrauen auf, denn nichts hasste sie mehr, als in Zeitnot zu geraten. Romy öffnete den Lamellenschrank im Flur und holte ihren Schutzanzug heraus, um ihn in einen Koffer zu packen. Sie würde ihn im Laufe des Tages für die Simulation eines Einsatzes auf dem Fest brauchen. Sie packte noch einige andere Dinge hinein, denn auf ihre Handtasche würde sie heute verzichten.
Als sie aus der Waschküche zurückkam, wo sie noch schnell eine Waschmaschine angestellt hatte, traf sie auf ihre beiden Kinder, die in der Küche selbständig das Frühstück machten, mit dem sie ihre Eltern fürsorglich verwöhnen wollten. Es gab sogar einen kleinen Kuchen, zu dem Romys Tochter frische Sahne geschlagen hatte. Obwohl ihre Waage ihr das bestimmt übel nehmen würde, ließ sich Romy zu einem großen Stück dieser Köstlichkeit überreden, um den Kindern nicht den Spaß zu nehmen. Eine große Portion Kuchen mit Sahne machte sich auf den Weg in ihren Mund und ebenso schnell wieder heraus: „Was habt ihr denn da reingekippt?“, japste Romy. Bei der Sahne war ganz klar Salz statt Zucker in der Rührschüssel gelandet. Damit war für heute der Appetit auf Süßes verflogen und Romy machte sich zum Frühstück ein Brot mit so viel Wurst darauf, dass man damit eine ganze Horde Vegetarier in die Flucht hätte schlagen können.
Nun war es Zeit, sich auf den Weg zu machen. Romy griff sich die Kinder und den Koffer und trat aus dem Haus. Ein Blick in den blitzeblauen Himmel, an dem sich nicht ein Hauch von Wolken zeigte, versprach einen wunderbaren Apriltag an der frischen Luft. Zeit für Frühlingsgefühle blieb aber nicht, denn sie hatte den Kindern eine Fahrt mit der historischen Dampfeisenbahn versprochen, bevor es auf den Festplatz gehen sollte. Weil Romy aber im Zug nicht die ganze Zeit den großen Koffer festhalten wollte, stellte sie diesen im Aufenthaltsraum der freiwilligen Feuerwehr ab und bat eine Kameradin, ein wenig darauf zu achten. Mit einem fröhlichen „Bis später!“ war sie auch schon wieder zur Tür hinaus und hastete mit den Kindern zum Bahnhof, um den Zug nicht zu verpassen.
Heute war dort alles in historischer Aufmachung. Der Fahrkartenverkäufer trug eine prächtige Uniform, ein Erinnerungsstück aus der Kaiserzeit, und arbeitete an diesem besonderen Tag selbstverständlich als Ehrenamtlicher ohne Lohn. Sorgfältig, wie bei einem Ritual, knipste er die Fahrkarten mit einer auch aus diesem Zeitabschnitt stammenden Zange und trat dann an die eingleisige Strecke, wo der Zug gerade heranschnaufte. Die Linie hatte eigentlich keine besondere verkehrstechnische Bedeutung mehr und so hatte man schon lange den Plan aufgegeben, ein weiteres Gleis zu bauen. Hin und zurück dauerte die Fahrt ca. eine halbe Stunde und Romy genoss diese Verschnaufpause und entspannte ihre nach der Rennerei leicht gestressten Muskeln.
Nach dieser kleinen Reise in die Vergangenheit war es Zeit, sich für die Feuerwehrvorführung umzuziehen. Romy „parkte“ darum ihre Kinder in der Obhut einer Freundin auf einem Spielplatz, wo sie schaukeln, klettern und rutschen konnten. Als sie in den Aufenthaltsraum kam, um sich umzuziehen, war dieser leer. Ja, es war nicht nur niemand dort, sondern auch ihr Koffer war verschwunden. Romy bekam einen Schreck und verlor sofort ihre fröhliche Stimmung. Die Kameradin, der sie den Koffer zur Aufsicht hingestellt hatte, war natürlich auch weit und breit nicht zu sehen. Kein Bild, kein Ton, keine Nachricht, keine Fußspuren. „Jetzt nur nicht durchdrehen“, ermahnte sich Romy selbst. „Meine Ausrüstung krieg ich wieder, du falsche Schlange! So weit kommt es noch, dass du jetzt hier in meinem Schutzanzug rumläufst und in unserer Vorführung die Heldin spielst!“ Sie trat vor die Türe des Vereinsheims und sah sich um. Und siehe da, nur wenige Schritte entfernt schleppte die besagte Kameradin, oder eher Schlange, ihren Koffer durch die Menschenmenge. Das war keine Täuschung, man wollte sie beklauen! Aber nicht mit ihr! Romy fühlte sich bärenstark, setzte ihren Tunnelblick auf und folgte der dreisten Person. Dabei achtete sie nicht auf den Weg und stolperte über einen Stock. Sie versuchte, sich noch an einem Zaun festzuhalten, aber dennoch fiel sie hin und verletzte sich die Hand. Auch das noch! Nun würde sie ihren Koffer wohl nie mehr wiedersehen. Mutlos ging sie zurück ins Vereinsheim. Sie brauchte ein Pflaster. Da es dort einen Erste-Hilfe-Kasten gab, hatte sie sich schnell die Hand verbunden und lief zu dem Platz, auf dem die Vorführung stattfinden sollte.
Dort angekommen, lief ihr ausgerechnet die dreiste Person in die Arme, die ihren Koffer geklaut hatte. Romy wollte sie sofort zur Rede stellen, aber da erblickte sie plötzlich ihren Koffer, der ganz unschuldig in der Nähe rumstand. „Da bist du ja“, wurde sie von der Kameradin begrüßt. „Wir warten schon auf dich. Es soll doch hier gleich losgehen und ich habe dir deine Sachen mitgebracht, weil du nicht rechtzeitig zurück warst.“ Romy schluckte und murmelte ein leises „Danke!“ Da hatte sie wohl jemanden zu Unrecht verdächtigt. Wegen ihrer verletzten Hand konnte sie nun leider gar nicht beim Einsatz mitmachen. Darum übernahm sie kurzerhand die Moderation und erklärte den Zuschauern, wie der Ablauf nach einem Notruf war, wie wichtig Rauchmelder waren und welch großen Schaden schon ein einziger Funke anrichten konnte. Und trotz aller Gefahren durch Feuer, die sie hier eindrucksvoll zeigten und bekämpften, freute sich Romy auf das Spektakel am Abend.
Als es dunkel war und sie ihre Kinder und ihren Schatz bei sich hatte, bewunderten sie gemeinsam die Schönheit des Feuerwerks, das mit Lichterglanz wie in jedem Jahr das Stadtfest abrundete. Romy hatte es sich mit ihren Lieben auf der Wiese in ihrem Garten gemütlich gemacht. Sie hatten sich auf eine große Decke gelegt und genossen aus diesem Blickwinkel die bunten Blumen am Himmel.

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Also ich bin ganz begeistert. Ich habe mich/uns/meine Familie an vielen Stellen der Geschichte wieder erkannt. Ich bin immer noch ganz hin und weg über das Ergebnis, dass auch für mich bis zum Ende völlig offen war. Liebe ..., Du hast das so gut gemacht. Ich hätte mir keine bessere Schreiberin vorstellen können. Ganz herzlichen Dank, aber an dieser Stelle, nicht nur für Dich, sondern auch an all die anderen, die diese tolle Aktion so gut unterstützt haben. Es war mir eine Freude und große Ehre, Teil dieser Aktion gewesen zu sein.

Schaut doch mal bei Sandra, der Organisatorin der Parade vorbei und erfahrt doch noch viel mehr Rund über die entstandenen Geschichten Rund um das Story Pic 2014

Kommentare:

  1. Hallo Romy,

    du sprichst mir bei der Beschreibung zu unserer Schreiberling-Arbeit aus der Seele ♥ Stressig war es, aber auch lustig, sehr kreativ und soooo schön. Wir haben da wirklich eine tolle Truppe, danke für deine Mithilfe und Arbeit.

    Liebe Grüße
    Sandra

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  2. Voller Begeisterung habe ich gerade die Geschichte gelesen und diese ist einfach wundervoll geworden!!! Ein ganz großes Lob :o)

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